Wie ich damals Firebolgodan Tegtuwettertae kennenlernte

Meister Eder hat seinen Pumuckel. Und ich?

Einem Leprechaun, Kobold, Lurch-Elfen, aber urteilt selber…

leprechaun-kl

„He, du,“ zischte eine Stimme, die mehr einer Melodie aus rostigem Pfeifen und grellem Quietschen glich.

Müde zwinkerte ich in das gleißende Licht.
„He, du,“ drängelte es nun drängend. Gleichzeitig griff eine kleine Klaue meinen rechten Arm, umfasste ihn mit unerbittlicher Kraft, die meinen ganzen Körper umschloss, und rüttelte und schüttelte mich.

„Lasst mich alle in Ruhe,“ brummelte ich unleidig, wobei die Schlaftrunkenheit mich mittlerweile losgelassen und an eine Art Apathie übergeben hatte. Langsam dämmerte mir, dass ich die Augen ja öffnen wollte, sie indes zusammenklebten wie von Spinnengespinst verwoben. Kläglich scheiterte meine Bemühung, schlapp meine Hand zu heben. Der Versuch endete in einer zaghaften Bewegung, die sich an der Müdigkeit zerstob.

Ein bösartiges kleines Kichern erscholl und
erhob sich wie von tausend mir unsichtbaren Enden.
Nun reichte es. Entschlossen riss ich die Augen auf
und im selben Moment sicherlich klappte mein Mund auf,
so übermannte mich das Staunen,
auf dass ich glatt die Gepflogenheiten eines Wohlbenehmen vergaß.

Gleißendes Licht brach sich an tausenden von Kristallen, die sich wiederum spiegelten in weiteren Kristallen, ein Meer von pastelligen Strahlen, die miteinander durch Goldfäden verwoben.

„Wo bin ich…,“ stotterte ich, als hätte ich mein Hirn am Eingang dieses Traumes abgegeben. Als mir die Blödheit meiner Frage bewußt wurde und schon ein leichter Ärger mich beschlich, kicherte es erneut böse und andauernd.

Entschlossen folgte mein geblendeter Blick der Richtung aus der das Kichern zu kommen schien.
Nichts.
„Zum Piepen,“ geckerte es.
„Das ist doch kein Benehmen,“ entrüstete ich mich, „Traum hin oder her.“
„Traum hin oder her, Traum hin oder her,“ äffte es mich nach.
Mal schien die Stimme näher, dann ferner, plötzlich hinter, auf einmal neben mir zu sein.

Ich schlug nach ihr wie nach einer lästigen Mücke.

Ein glockenhelles Lacheln zerriss meine Hoffnung, den Störenfried vertrieben zu haben. Mühsam rappelte ich mich auf, bemüht mich aus den klebrigen Schlaf.fäden zu befreien, klopfte silbern glitzernden Staub von meinem kurzen, unschmucken Leibchen, rieb mir die Augen, glättete hastig mit den Händen die Haare und versuchte aufzustehen…
Doch, oh weh, es wollte mir nicht gelingen…

„Sag brav: bitte, bitte…“ donnerte nun die eben noch so brüchige Stimme mir durch Mark und Bein, wo sie sich sicherlich zehnfach brach und mir über die Synapsen bis in die letzte Pore kroch.

Vergebens riss ich die Hände vor die Gehörgänge und schüttelte den Kopf, denn als nun die Stimme sich erhob, da schien sie direkt aus meinem inneren Selbst zu kommen.
„Meine Götter,“ ergriff mich das Entsetzen,“ nun habe ich den Verstand verloren.“ So schossen mir die Gedanken durch den Kopf und das mittlerweile ängstlich zitternde Herz brach sich tausendfach an den Klippen meines Selbst.

„I-wo“, klang es nun gleichmütig, gar nicht mehr donnernd, diesmal eher einer rostig schwingenden Türe gleich,“ so schnell verliert ihr Zweibeinerchen nicht euer klägliches Bißchen an Verstand. Nun steh schon auf du dauerliches dussel.“

Beinahe war es ein Ruck, der mich packte und auf die Beine katapultierte. Schwankend noch im Ungleichgewicht, versuchte ich , eine Hand schützend vor die Augen gehoben, die sich vor mir auftuende, funkelnde Landschaft zu überschauen, sie zu begreifen, zu verstehen, wo ich – verdammt noch mal – war.

Ein kleines Kratzen und Schaben an meinem Knie, verleitete meinen Blick in diese Richtung.
„Firebolgodan, Tegtuwetteretä,“ knarzte es.
Verwirrt blickte ich auf die Gestalt, die sich aus einem schemenhaften Nebel zu bilden schien.

„Bitte, was?“ stotterte ich, wobei sich die Frage auf die Erscheinung an sich bezog, was diese jedoch falsch interpretierte und beinahe artig, wenn auch mit einem Unterton von Ungehaltenheit stur wiederholte:“Firebolgodan, Tegtuwetteretä.“

Das komische Ding stieß die Worte mit einem gewissen Stolz aus, spuckte sie mir vor mein verwirrtes Selbst und erwartete nun anscheinend eine standesgemäße Erwiderung.

„Ähä,“ gab ich zugegebenermaßen nicht sonderlich erfindungsreich zurück.
„Hmmmmmmnja,“ bestätigte das Wesen äußerst zufrieden.
So langsam schien sich die Schärfe meines Blickes auf das Ding eingeschossen zu haben, denn nun konnte ich es nach etwas Blinzeln vollkommen klar und deutlich erkennen.

Genaugenommen sah es aus wie ein stehender Lurch. Nun, ein sehr merkwürdiger stehender Lurch, denn dieser stehende Lurch trug einen kleinen blauen mit goldenen Knöpfen und zahlreichen bunt funkelnden Orden versehenen Frack. Seine nackten, dürren Beinchen steckten in kleinen, blauen Stiefelchen, deren Spitzenkappen wie die überdimensional großen Sporen, golden glänzten. Sein kleiner, pockiger Lurchenkopf war umgegeben von einer wallenden, grauen Lockenmähne. Die Lurchennase balancierte stolz ein Monokel und eine der Lurchenkrallen umschloss einen feingeschnitzten Gehstock mit einem geierschnabel-ähnlichen Knauf.

Obwohl ich die Augen öffnete und wieder schloss, den Blick in die Ferne und zurück lenkte, mehrere Seufzer – das komplette Repertoire von verzweifelt bis genervt – an den Äther übersendete, auch bei einem zweiten Hinschauen sah das Ding nicht weniger befremdend aus. Jetzt gerade bemerkte es meinen Blick, putzte weiter hingebungsvoll sein unverändert ölig-beschmiertes Monokel, setzte es auf die Nase und starrte fröhlich zurück.
„Tscha,“ stotterte ich mehr aus Verlegenheit und Ermangelung an abrufbaren Gesprächsthemen mit seltsamen, grünen, krummbeinigen Lockenlurchen.
„Tscha,“ brummte es zufrieden.
Mittlerweile wurde mir ungemütlich und irgendwie empfand ich es auch als Zeitverschwendung in dieser vollkommen irrealen Umgebung mit diesem in Gänze irrealen Geschöpf zu plaudern.
Mein entnervtes Stöhnen verschaffte jedoch keine Abhilfe.
„Nun,“ versuchte ich es vorsichtig, mir der Aberwitzigkeit meines Verhaltens und der Situation bewußt,“ ich geh dann mal.“
„Ich geh dann mal, ich geh dann mal,“ äffte es aus dem bösartig verzogenen Lurchenmaul.
Giftig blickte ich auf das winzige Ding hinunter.
„Genau,“ presste ich hervor, entschlossen, mich nicht provozieren zu lassen.
„Dann geh doch, du nackthäutige Ausgeburt eines hirnlosen Erdlings,“ zeterte der Lockenlurch.
„Das werd ich auch,“ wetterte ich zurück und stapfte entschlossen los.
Meinen nach unten gerichteten Blick riss ich schleunigst wieder hoch, als ich die sich unter meinen Füßen in unendlichen Farbabstufungen eröffnende Unendlichkeit erkannte.
„Ich gehe gerade durchs Nichts,“ schoss es mir durch den Kopf und das Entsetzen packte mich jäh und grausam, als ich auch schon den Boden verlor und in die Tiefe stürzte.
Und ich stürzte und stürzte und stürzte und taumelte
und als ich aufkam, irgendwo auf einer Scholle im Nichts,
da echote der Aufprall in jedem winzigen, geschundenen Knöchelchen.

„Na?“ klang es gepresst neben mir, „fühlst du Dich nun besser?“
Dieses Mal fiel das Augenöffnen leicht und resigniert sah ich das grüne Ding neben mir. Es kauerte neben mir, so dass seine spitzen, nackten grünen Knie beinahe seine spitzen grünen Ohren berührten, die sich aus der grauen Lockenmähne wie kleine Hörnchen erhoben.
„Eben hattest du blaue Stiefelchen an,“ stöhnte ich müde und meines Schicksals leid. So, als würde im finalen Grauen die Banalität an Wichtigkeit gewinnen.
„Sehrrrrrrrr richtig,“ gurrte es satt zufrieden und setzte direkt hinter her: „Und?“
„Okay,“ gab ich ungern zu, um das abstruse Geschehen abzukürzen,“du hast gewonnen. Wer bist du, was willst du?“

„Firebolgodan, Tegtuwetteretä“ kam es wie aus der Pistole geschossen.
Nun fühlte ich mich langsam doch etwas auf die Schippe genommen.
„Gut,“ konstatierte ich im Aufsetzen,“ du heißt also Firebug Dan Dreckwettertärätä?!“
„Firebolgodan, Tegtuwetteretä,“ korrigierte es, wärend es seine breite Lurchennase rümpfte.
Jetzt erst erkannte ich die kleinen, grünlichen, wirklich niedlichen Flügelchen, die sich aus der Rückseite seines winzigen, scheinbar maßgeschneiderten Fracks erhoben.
„Ich bin Nana,“ versuchte ich die oktroyierte und unvermeidbare Bekanntschaft in freundliche Bahnen zu legen.
„Papperlapapp bist du,“ keifte es nun aus dem Lurchengesicht und unwillig wippten die grauen Locken.
„Na,“ spottete ich, „dann bin ich es halt nicht, sondern Paperlapapp.“
„Das ist ein Anfang,“ erwiderte Firebolgodan Tegtuwetteretä.

Und ganz ehrlich? Das war es auch.
Der Anfang einer äußerst bemerkenswerten Freundschaft.

….vertont findet sich das Kennenlernen wieder unter: Lepolac du Llain

und hier=> https://www.youtube.com/watch?v=rHWOllGKc3E

diese Kobolde, Lockenlurche, Lurchelfen tragen nämlich mehrere Namen. Immer. Wegen der Macht, die man erlangt, wenn man eines Wesens Namen kennt. Wie man ja spätestens seit Rumpelstilzchen weiß. Aber ich will ja nicht abschweifen.