Tod in Venedig

Wildes Fleisch II

Tod in Venedig ist eine 1911 verfasste Novelle von Thomas Mann. Es gibt Bücher und es gibt Bücher. Als bekennende Leseratte betrachte ich mich befugt, ein derart qualifiziertes, wie unsinniges Urteil zu fällen. Vor allem gibt es Bücher, in denen ich mich erfasst, gespiegelt, heraus-gefordert sehe. …, die in mir Saiten zum Klingen bringen, welche vergessene Melodien aus den Tiefen des Unterbewusstseins katapultier(t)en. „Das Sein und das Nichts,“ von Sartre. Groß, so groß. Und tief. Und weit. Hat damals Schneewittchens Sarg zum Implodieren gebracht und mir eine vorübergehende Unsterblichkeit geschenkt.

Ven6 Kafkas Verwandlung war auch nicht ohne. Käfer Gregor. Unvergessen. Wie ein dumpfes, tosendes Orchester brauste das unförmige Insekt über mich hinweg, um mich mit den aufgewirbelten Staubpartikeln auf ein neues Plateau meines Lebensentwurfes zu plazieren. Das Bildnis des Dorian Gray und Tod in Venedig hingegen verfuhren mit mir ähnlich wie die Nordsee.

Ven4

Damals. Als ich wissen wollte, was da geschieht. Hinten. Hinter den Bojen.  Ein Meter. Lächerlich. Nichts. Entschlossen schwimme ich weiter. Eine einzige anmaßende Herausforderung. Zwei Meter. Putzig. Nichts. Und während ich überheblich grinste und weiter hinaus auf den Wellen in das Meer tanzte, umschlang mich die wütende Ran mit ihren klammen Fingern, schmetterte mich auf den Grund und schürfte mich über den Meeresboden, weit hinaus über Überheblichkeiten und Kleinlichkeiten hinweg. Als mich das Erkennen eines, konkreter: meines unmittelbaren Endes erfasste, da spie sie mich bereits wieder aus. M.ich. Unverdauliches Menschenfleisch. Verächtlich auf den Strand erbrochen. Nicht zwei Apfelsinen im Haar und an den Hüften Bananen *(* Wieso erinnere ich nur immer die schlimmsten Dinge.), sondern Muscheln im Mund und Meertang in den Lungen. Auch eindrucksvoll. Die Lektion. Manche mögen.s heiß.

Ven3

…zuweilen sind meine Gedankenschlenker selbst für mich bedenklich. Wie komm ich denn jetzt nur auf die Meeresfrüchte?… Ah!  Tod in Venedig zählt zu meinen literarischen Lieblingen. Ergänzt durch den Film „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (Originaltitel: Don’t Look Now), mit einem großartigen Donald Sutherland und so einem putzigen Rotkäppchen…. …und ich war un_heimlich verliebt in Donald Sutherland Venedig. Das imaginierte Morbide, die Vergänglichkeit,  … und umso überraschter war ich, als es mich tatsächlich erst 2012 das erste Mal nach Venedig verschlug.

Ven5

Ven8 Ven12
…so be-zauber-nd. So viel Schönheit. Und Feinsinn. Unvergleichliche Anmut. Stolz. Würde. Ergreifend schön. Und unglaublich sinnlich. Was für eine lebendige Stadt! Unvorstellbar intensiv. Doch der Tod und die Sinnlichkeit besitzen ja nicht nur im französischen Sprachgebrauch eine sich ouroborotisch-umschlingend-e Verwandtschaft…

EIGENTLICH…. haben mich die schönen Neuseeland-Bilder der geschätzten Frau Tonari zum Wühlen in fotodokumentatorischen Reisemitbringseln gebracht. Und so landete ich vom Hölzchen beim Stöckchen und nahm den Umweg über Gomera und landete in Venedig. Auch gut. Denn, …

Ven15

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:  geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;  töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;  weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;  Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;  suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;  zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;  lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen.

 Ven25

Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.  QUELLE: Prediger Salomo, Buch Kohelet

Ven7

Ven13

Herrlich wundervoll-lebendig-es Venedig. 

Ven17

So. Für meine Verhältnisse habe ich relativ zeitnah das Thema final verfehlt. ^^ Auch schön. Suboptimalerweise habe ich mich darüberhinaus in 1001 Venedigfoto verbuddelt.

Ven1

Infolgedessen gibt es eben eine randomiante Auswahl, die ich jetzt wahllos in meine Zeilen kopiere.   Als Hintergrundmusik für Venedig empfiehlt sich recht trefflich Leo Delibes Blümchen, auch so ein herrliches Bächlein… oder gar ein kleines Pachelbelchen in Doppel-D.

Ven16

 

Und so ende ich vorerst mit einem fulminanten:

Törö.

Frei nach Benjamin Blümchen.

Ven24