Roger Willemsen

So ein schöner Geist, so eine weite Seele, so viel Sinn für Zwischentöne. Und Neugier. Eine Träne, die sich selbst verlacht. Relativiert. Sich. Das eigene Schicksal. In Anbetracht. Eine, aus Freude. Über das Sein. Und das Entdecken. Soviel Sanftmut über soviel feuer-geschmiedetem  Kern. Schaf im Wolfspelz. Zärtlicher Misanthrop. Einsamer Weltenbürger. Diener des Weltenscheins. So bescheiden in allem Überblick. Ein abgeklärter Mystiker, ein niemals ernüchternder Realist. Und stets erinnerte er mich an einen kleinen Jungen, der die imaginäre Hand seines Vaters hält. Jenes toten Vaters, der der wichtigste Mensch in seinem Leben gewesen und ihn viel zu früh los gelassen. In diese Welt, über die er sich rettete mit kristallinem Verstand, mit Gespinsten gewoben aus Verstand und Sehnsucht. Immer auf den Traumwellen tanzend. Ich glaube, er war einsam. Hier. Unter uns. Und ich hoffe, dass sein Tod ein sanfter war. Und beinahe erscheint es mir, als hole der Tod sich gerade die Besten, die schönsten Seelen rekrutiert er. Lemmy Kilmister, David Bowie, Maja Maranow, Roger Willemsen. Das macht mich traurig. Und ist es doch reiner Egoismus, einer, die die Welt um wundervolle Klänge und Farben beraubt sieht. Als hätte ich einen Anspruch auf Eure für mich be-greifbare Unsterblichkeit. Hier, in meinem kleinen Lebensschiff, welches sich navigiert an Sternen wie den Euren und jenen, die es an diesem Sternenlicht in sich selbst erkennt.

Wo sie jetzt wohl sind? Früher, ach früher, vor so vielen, vielen Leben, da glaubte ich an ein Leben nach dem Tod. Den müden, alten Leib abgestreift, wie ein getragenes Kleid. So ähnlich stellte ich es mir vor. Damals, als Kind. Dass es irgendwo am anderen Ende des Regenbogens dieses wundervolle Land voller Blüten und Sonnenschein gibt, wo sie leben, diese Seelen, die wir lieben und die uns lieben. Und dass sie uns in die Arme eilen. Später, wenn wir folgen. Und dann trennten sich meine Eltern. Meine Mutter starb. Mein Vater liebte neu. Wie soll das gehen mit dem Leben nach dem Tode? Wenn meine Mutter ihn in Empfang nimmt. Vielleicht schmollend, weil sie so lange auf ihn wartete, möglicherweise auch mit einem Lachen, welches die Unendlichkeiten, den Schmerz, den Zerfall hinweg wischt. Und dann sind sie wieder vereint und ein Engelschor jauchzt lieblich. Tirili. Und was geschieht, wenn die nächste, die neue Frau folgt? Heilloses Durcheinander. Nein, diese Idee von dieser Art Himmel, die hält unsere Toten im Hier und Jetzt. Erhält sie uns. Stimmt den Phantomschmerz erträglicher, den wir so amputiert um die geliebten Wesen bis ins Wesensmark verspüren. Das ist ja kein wirkliches Los-Lassen. Mehr ein Hinaus-Zögern. Auch die Verweigerung der Akzeptanz der Omnipotenz der Vergänglichkeit. Trotz. Wut. Trauer. Unverständnis. Hilflosigkeit. Ach, Roger, ich danke Dir. Für Deine sanfte Härte. Für Dein wundervolles Wesen, den Mut, die Neugierde. Für die Unschuld, die Du Dir in und bei allem bewahrt. Ich wünsche Dir, dass es Dir gut geht, dort, wo Du nun bist und, dass Du in Liebe und Frieden sein mögest.

Ich schenke Dir alberne Tränen, die möglicherweise, nein, sicher, mehr mir als Dir gelten, die beklagen jene Armee an Toten, die mehr nur als Erinnerung durch mein Herz geistern, als Schmerz und die Erfahrungen in wildes, rebellierendes Fleisch verwandeln. Ich bin davon überzeugt, Du verstehst es. Und Du lächelst. Mit dieser Güte, die aus dem Verstehen gebiert, nie etwas besitzen zu können. Solange man in sich selber ist. Jetzt besitzt Du sie. Die Unendlichkeit. Die Enden der Welt.

rw

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