Lied des Regens

Regen1

Ich bin die silbernen Faeden, welche die Goetter zur Erde senden;
die Natur faengt sie auf und schmueckt sich mit ihnen.


Ich bin die kostbaren Perlen aus der Krone der Astarte;
die Tochter des Morgens raubte sie mir heimlich,
um die Felder zu zieren.Ich weine, und es laecheln die Huegel, ich falle hinab,
und die Blumen richten sich auf.

Feld und Wolke sind Liebende, und ich bin ihr Bote,
bald lindere ich den Durst des einen, bald heile ich die Krankheit des anderen.
Die Stimme des Donners und das Schwert des Blitzes kuenden mein Kommen an,
aber am Ende meiner Reise erstrahlt am Himmel der Regenbogen.

So ist das irdische Leben; unter den Fuessen der Materie beginnt es seinen Lauf,
und in den sanften Haenden des Todes endet es.
Aus dem Herzen des Sees steige ich auf,
schwebe auf den Fluegeln der Luft, bis ich meinen Garten entdecke,
dann falle ich herab, kuesse die Lippen der Blueten
und umarme die Zweige.

Regen2
Mit meinen Fingerspitzen klopfe ich sanft an die Fensterscheiben;
einfuehlsame Geister lauschen vergnuegt dieser geheimnisvollen Musik.
Ich vertreibe die warme Luft, der ich mein Leben verdanke, wie eine Frau,
die den Mann beherrscht, durch die Kraft, die sie von ihm empfing.

Ich bin ein Seufzer des Meeres, eine Traene des Himmels,
ein Laecheln des Feldes, ebenso wie die Liebe,
die ein Seufzer aus dem Meer der Gefuehle ist,
eine Traene vom Himmel der Gedanken
und ein Laecheln vom Felde der Seele. Khalil Gibran

 

Mad Rush by Philip Glass:


Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=qgg-uE53DNY

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