Fremdenherz

Hasi2

Es ist jetzt zwanzig Jahre her, seit ich zwei Katzen beherbergte. Sheira und Miro. Sheira war eine schwarze Siamesin(-Mischmasch), hochbeinig, stolz, schön, erhaben. Miro ein kleiner, kunterbunter, dicker Pelz-Knubbel. Sehr süß. Beide. Und so ansehnlich. Geradezu malerisch. Der dicke Kater und die hochbeinige Katze.  Wenn sie denn Zuhause waren. Das waren sie meist nicht. Ab und an geschah es, dass die mir in Liebe zugetanen Katzen mir ihre Liebe bewiesen. Dann wurde mir eine blutige Maus vor die Füße gelegt und ich musste loben, alldieweil sich in mir alles zusammenzog aus Mitleid mit den armen, meist noch lebendigen Mäusen, die jämmerlich im Todeskampf zuckten.

Letzten Sommer schreckte mich ein lautes Fauchen aus einer der unzähligen Hecken auf. So jachtete ich geschmeidig wie ein Panther und leichtfüßig wie eine Gazelle, um zu sehen, wie unser winzig-kleiner Oskar den Kampf mit einer von der Größe ebenbürtigen Ratte aufnahm. Sie lauerten und bissen und es ging blitzgeschwind, dass Oskar das Riesenrattenvieh mit einem gekonnten Nackenbiss in die ewigen Jagdgründe beförderte.

Oskar-Bettchen

Oskar kommt gut an. Bei groß und klein, jung und alt. Die beiden Katzen kamen ebenso gut an. Nicht gut an kam Hasi. Hasi erbte ich von Rudi, als dieser sich mit Ute verlobte. Und Ute zur Verlobung verlangte, dass Rudi sich aller seiner Reptilien entledige. So kam ich an Hasi. Hübsches Tierchen. Recht harmlos. Eine Kornnatter. Kornnattern sind friedliche genügsame Tiere. Diesen und mir ähnlich ist ein beinahe autistisches Essverhalten. Was die kleine Kornnatter als Baby als erstes zum Essen bekommt, wird sie ihr Leben lang verspeisen. Hierbei wählt die Kornnatter ausschließlich zwischen zwei Menues: Mäusen oder Vögeln. Hasi fraß Mäusi. Sehr gewöhnungsbedürftig so eine kleine, putzige, knuffige Maus diesem garstigen Reptil zu überlassen. So garstig war das Reptil aber nicht. Wenn Hasi Hunger hatte, und den verspürte sie recht selten, dann nur bedrohte sie eine Maus, dann nur fixierte sie das Tier, um es hernach in einer blitzgeschwinden Bewegung zu umschlingen, damit das Genickchen zu zerbrechen und hernach zu verschlingen. Sheira liebte es hingegen stundenlang mit bein-, oder Arm-, oder Ohren-amputierten, todeskrampfenden Mäusen zu spielen. Katzen sind so. Die töten aus Spaß. Schlangen nicht.

Und dennoch ist so eine kleine, knuffige Kornnatter die weltbeste Schwiegermutterabwehr. Ich erinnere mich an eine ältliche Dame, die vor vielen, vielen Jahren meine Wohnung betrat, die Schlange sah und erstarrte. Als ich – in der mir eigenen gast-freundlichen Art, das liebe Tier höflich aus seinem Terrarium nahm, um es um meinen Arm gewickelt der Besucherin zu zeigen, wich diese zurück, kalkweiss im Gesicht und stieß nur hervor: „Ist die giftig?“ Natürlich nicht. Aber zuweilen ist „es“ stärker als ich und so sprach ich fröhlich: „Selbstverständlich!“ Der Besuch verabschiedete sich unerwartet vor Verzehr von Kaffee und Kuchen. Es war ein sehr schöner Nachmittag.

2Schildis

Seltsamerweise sind wir zweibeinigen Nacktlurche (Bezeichnung des besten aller Hauskobolde für Menschen) gerne gewillt, alles, was uns ansatzweise optisch an uns erinnert, für drollig und süß und goldig zu befinden. Sobald die Gesichtszüge aber nicht für uns deutbar sind, sobald wir das Gefühl haben, nicht non-verbal mit dem Gegenüber kommunizieren zu können, finden wir das Gegenüber gefährlich, furchteinflößend, werden ängstlich, hysterisch, oder gar aggressiv. Ich kenne unzählige Menschen, die Spinnen aufsaugen. Oder sie erschlagen. Mit einem Pantoffel, oder einer Zeitschrift. Was sollte so eine kleine Spinne uns schon tuen… Aber nein: die ist ekelig, die ist widerlich, die macht uns mit geballter Unlogik Angst. Schlangen sind ja eh widerlich. Gut, dass es sie in unseren Gefilden nicht gibt, und wenn, dann kann man sie ja erschlagen. Mit einem Spaten. Oder mit einem Beil den Kopf abhacken. Und wenn wir das getan haben, setzen wir uns gemütlich mit unserem Kater, dem noch das Blut der im Todestanz zuckenden Maus im Barte klebt,  auf die Couch und kraulen das liebe Süßi und freuen uns, wie gut wir und wie schlecht die anderen sind, die mit den doofen Gesichtern, die „Anderen“, die gerade im Staubsaugerbeutel erwachen, um aus selbigem zu krabbeln und sich zu rächen, indem sie mitten in der Nacht sich von der Decke auf ihr schlafendes Opfer herab abseilen und es…

Könnte sein, dass es uns deswegen so schwer fällt, Fremden die Tür zu öffnen?  Und jetzt sagen Sie mir nicht, jeder Migrant/ Zuwanderer/ Flüchtling sei ein Schläfer. Und, bitte, es mag ja sein, dass die meisten mit ihren dunklen Augen und ihrer dunklen Haut etwas anders aussehen, aber nun doch nicht so exotisch wie eine Schlange.

colouredhands

Ich hatte in meinem Leben viel mit Tieren zu tuen. Ich liebe Tiere. Einmal ging ein Haflinger-Hengst mit mir durch. Das war sehr aufregend und recht gefährlich. Es ging haarscharf gut für uns aus. Oskar biss mich in seinen Anfängen drei Male. Das letzte Mal in die Nase. Es tropfte Blut und ich hielt ihm das Blut vor seine kleine Nase. Seitdem hat er mich nie wieder gebissen. Ich hatte auch mit vielen, unterschiedlichen Reptilien zu tuen. Nicht alle galten als harmlos. Von Schlangen wurde ich nicht ein einziges Mal gewürgt, oder gebissen. Und, auch wenn diese kein vertrautes Säugetier-Gesicht besitzen, kommunizieren sie doch, nehmen sie wahr. Erkennen eine-n. Am Geruch. Natürlich werden auch Reptilien zugänglich. Was denken Sie denn?

Und zurück zum Fremden…   das ist doch alles nur eine Sache, des sich-verstehen-Wollens und des Kommunizieren-Wollens…. Wer ist schon fremd. Der Ossi war.s im Westen. Der Wessi isses noch immer im Osten. Als Kölnerin finde ich natürlich Düsseldorfer dämlich. Und jeder Badenser wird betonen, dass er mit den Schwaben nichts gemein hat. Jungz finden Mädchen blöd. Mädchen finden Mädchen blöd. Blöde finde Schlaue doof. Doofe sind gar nicht doof. Denn doof ist  das niederdeutsche Wort für „taub“.  So ist das. Wir brauchen die Abgrenzung zur Selbst-Definition. Das geht aber genauso gut über Nähe. Viel schöner, in den Augen des Gegenübers Liebe, statt Angst, oder gar Hass zu erkennen. Und, wenn man das ganze oberflächliche Gedöns an Seite nimmt, bleibt doch zu konstatieren, dass wir alle recht ähnliches Herz besitzen – das könnte man sich möglichweise nehmen. Dann und wann und in der jetzigen Zeit.

herz

PS: Hunger, Sehnsucht, Angst, Hass, Liebe… haben keine Hautfarbe und keine Nationalität.

PPS: ausserdem ziehen sich Gegensätze an. Zuweilen sogar aus. Tuen sich doch ungeahnte Möglichkeiten auf.

PMS Falls Sie Gott suchen sollten: der ist nirgendwo da draußen, sondern in Ihnen. Fragen Sie Ihr Herz. Sollte es nicht antworten, wird es allerhöchste Eisenbahn, dem alten Herren die Tür zu öffnen. Der Rest kommt dann von selber…

PMS2: das Salbader gilt selbstredend nicht für die Dödelkom & DödelHL Die sind exakt so doof wie es scheint. Geben Sie mir einen großen Staubsauger und ich weiß, was ich zu tuen habe…

Rubrik: Liebe, Leben, Lachen, große Sprüche kloppen,

 

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