Ein Lichtengelchen entsteht…

Über Antidots, Pro-Engelismus und verschwurbelte Lebenswege

Ehrlich? Ich wundere mich, wie alt ich bin. Meine Vorbehalte bezüglich einer Zahl in Kombi mit mir bringe ich kaum unter einen Hut. Gut, das Schicksal war zuweilen hämisch und hat mir viele Jahre geklaut. So zum Beispiel jene, die dem blanken Überleben galten. Und dann dieses jahrelange Pobeln in den Trümmern. Schattenarbeit. Vergangenheitsbewältigung. Bis man dann so halbwegs mit sich stimmig ist und keine Mager-Süchte als Ausflüchte braucht. Ich höchstpersönlich sehe meinen Körper mittlerweile als eine Art Gradmesser an. Immer dann, wenn ich unfähig, zu bequem, zu gestresst bin, um darauf zu achten, wie es Geist und Seele geht, zeigt mir mein kleines, liebes Körperchen, dass etwas nicht stimmt. Hochgradig psychosomatisch. Allerdings bin ich ein stabiles Sensibelchen. Meint: hart im Nehmen. Das bringt wohl das Leben auf einem stürmischen Lebensozean so mit sich. Wie dem auch sei: ich kapiere Dinge und Zusammenhänge und deren Bedeutung für mich oftmals erst im Nachhinein. So zum Beispiel, dass die Art und Weise wie mit mir Seitens der Chefetage umgegangen wurde, in meiner letzten Anstellung, alles, nur nicht ok, dafür destruktiv war. Verstanden und be-griffen habe ich das erst, nachdem mich ein Unfall aus der Situation katapultierte, ich diverse Derangiertheiten begradigt und mich mit etwas Abstand wieder ins Gleichgewicht gebracht hab. Dass ich überhaupt mit alkoholkranken, süchtigen Menschen zusammenarbeitete erlöste sich im Aufarbeiten meiner Beziehung zu meiner Frau Maman. Und dann war mir klar, warum ich in dem letzten Heim arbeiten musste, welche Chance sich dort verbarg und glaubte, damit erhalte ich die Greencard in ein erfülltes mit mir stimmiges Leben.

Nun ist von wesentlichem Vorteil, wenn einer klar ist, was sie unter „mit sich stimmigen Leben versteht“… in meinem Falle ist war es die Vorstellung, auf selbstständiger Arbeit mich in meiner „Kunst“ zu entfalten. Beiträge und Bücher nicht länger als Co- oder Gespenster-Autorin zu verfassen, Grafiken und Webseiten anfertigen, sich dem Schönen widmen. Das fand ich gut. Das finde ich auch noch immer gut. Und dennoch wird nun wieder alles anders, als erhofft und erwartet.

Das Leben ist kein Ponyhof, aber ich bin auch nicht Mutter Teresa. Und schreiben Sie die Theresa nicht mit H. Das ist falsch. Eher eine kleine Jeanne d’Arc. Nein, falsch, richtiger: eine Donna Quijota, groß-schnäutzig kämpfend gegen aufgebauschte Windmühlen, Mücken und Verwirrtheiten. Ich leide weder an einem Helfer-Syndrom, noch besitze ich die Intention die Welt zu retten… und doch gibt es von mir empfundene Ungerechtigkeiten, die ich nicht ertrage. Die mich nicht sitzen und nicht ruhen lassen, bis ich wieder in den Spiegel schauen, die Augen öffnen und mir ein stimmfestes „ok“ erwidern kann. Tscha.

Die ehrenwerte, wortgewaltige, reizende Frau Knobloch verwies in ihren famousen Kommentaren auf die unMenge der sozialen Ungerechtigkeiten. Is richtisch. Mir ist das auch alles bekannt…  Mißbrauch, Menschenhandel, Ausbeutung, …. aber jede kann ja nur entsprechend ihres Tellerrandes. Meiner ist der einer Espressotasse und ich kann nur im Rahmen meiner Optionen und Ressourcen. Und ich kann auch nur im Rahmen gewisser Affinitäten. Ich bin schließlich nicht für die Welt zuständig und die Welt sieht sich im Spiegeln meines Gesichtes wiederum nicht für mich zuständig. Da besteht also eine gewisse Ausgewogenheit….

Ich re-agiere auf die Flüchtlinge, auf mein Umfeld, welches auf Flüchtlinge reagiert, WIE es auf Flüchtlinge reagiert. Und ich reagiere auf Rechthabereien, auf Wortgefechte, in die unendliche Mühe, Zeit und Energie investiert werden, obwohl gerade eine kleine Geste und kein Redeschwall gefragt ist. Wobei ich im Redeschwallen großartig bin. Am besten ohne Hand und Fuß, ohne Sinn und Verstand und ohne sonderlichen Mehrwert. Aber das auch weniger im realen Er-Leben als hier im Blog, wo ich Gedanken ent- und ver-werfen kann.

Mit mir stimmige Flüchtlingshilfe… habe ich noch immer nicht aufgegeben, auch, wenn meine Ideen momentan mehr auf Sand gebauten Luftschlössern gleichen. Ich werde die Aktion Lichtengel-Fremdenherz definitiv ins Leben rufen. Es wird eine Art Spendenaktion geben. Spenden-Sammeln ist erstaunlicherweise auch Privatpersonen und ohne großes, umständliches Aufhebens erlaubt. Da mir das Betteln nicht zu Gesichte und zur alten Haut steht, denke ich an einen Online-Shop, in dem man im Gegenzug zu seiner „Spende“ etwas erstehen kann. Und wer/ welcher kein Gefallen an dieser Gegenleistung findet, der darf eben auch so ohne „Gegengewicht“. Erst einmal muss ich schauen, wie das angenommen wird, ob es anläuft; daran werde ich entscheiden, wie mit den so erhaltenen Gaben verfahren wird.

Möglicherweise reicht es nur für einen Teddy, oder ein warmes Pullöverchen. Eventuell reicht es für zwanzig Teddies und eine Behandlung. Mein Traum wäre nach wie vor eine Art Kindertagesstätte, evtl sogar mit Übernachtungsmöglichkeit. Eine Arche Noah für die gestrauchelten Kinderseelen, die auch auf Festland keinen festen Boden unter ihre kleinen Füße bekommen. Mit Mal- und Spiel-angeboten. Mit wohlwollenden Augen, freundlichen Händen, offenen Herzen. Ich hätte in Reichweite eine Mitarbeiterinnen-Crew, die gewillt wäre, diesen Traum aus dem Denken ins Sein zu stemmen. Als Ort stelle ich mir hierzu erst einmal mein Atelier vor. Zwei sehr große Räume, inmitten von vielem und wilden Grün, mitten an einem See. Das ist schönes, heiles Land, wo noch Frieden aus den Blättern blinzelt, Elfen achtsam wachen und Magie be-wirkt.

Aber weil kein Mensch weiß, ob und wie das oben Skizzierte realisierbar ist, werde ich meinen wohlgeformten Wohlstandshintern nun aus seiner Komfortszene bewegen. Es ist soweit alles in Sack und Tüten und, so, wie es ausschaut, werde ich demnächst wieder ein Heim leiten. Ein Flüchtlingsheim. Eine Erst- und Not-Aufnahme. Ich kann nicht behaupten, dass mich dies glücklich stimmt. Schaue dem ganzen eher mit bangem Herzen und einer Träne im Augenwinkel entgegen. Eigentlich hatte ich ja – sv – gehofft, es sei nun endlich Zeit in meinem Leben. Für mich. Möglicherweise habe ich mich damit geirrt. Möglicherweise sieht das „für mich“ aus der Vogelperspektive einer später erfolgenden Rückbetrachtung anders aus. Leider steht nirgendwo im Lebens-Vertrag im Klein-Gedruckten, man habe Anrecht auf Zuckerschlecken. Ich hätte das gerne. Aber die geZeiten sind andere. Wild und stürmisch. Und die Verantwortung trägt man exakt ab dem Moment, wo es ein Echo im eigenen Herzen gibt. Und mein Herz echoet verzweifelt auf die Situation im Lande und wie mit Allem umgegangen wird. Da muss ich mir wohl doch den alten Blecheimer-Helm wieder überstülpen, die Gartenharke ergreifen und ausziehen. Auf meinem Drahtesel. Als Donna Qujota Cervantes vom See, die Ritterin mit der lustigen Gestalt.

So schaut.s aus. Dieses lange Geblubber für sie ein-führend. Ich werde jetzt das Lichtengel-Symbol feilen und versuchen, in der mir verbliebenen, freien Zeit ein Spendenkonto sowie das Schöppchen zu realisieren. Sie dürfen das dann gerne be-werben und ver-streuen. Je mehr davon erfahren, umso besser, umso wahrscheinlicher, dass dem Traum Realität folgen wird. Und dann schauen wir ´mal, was die Zukunft für Sie und mich und die heimatlosen Kinder bereit hält.

Lichtengel-Fremdenherz-Font

Danke für.s Lesen meiner ausARTenden Monologe.

 

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