#Backen _ für _ den _ Weltfrieden

Unlängst fuhr mich ein Taxi sonstwohin.

Als wir über eine der legendären Brandenburger Serpentinen jachten, fällt mein Blick auf das dortige, am Beginn eines zugeschlammten Ackerweges windschief, an einem noch schieferen, improvisierten Holzgalgen angebrachte Schild mit der grobmotorisch aufgesprühten Aufschrift: „Gotcha-Paintball!

Es ist einer meiner versöhnlichen Tage. Versöhnliche Tage meint, ich bin gewillt, mich aus meinem Elfenbeinturm zu bewegen und Smalltalk zu betreiben. Ich mustere den Fahrer neben mir. Umgedrehtes Basecap, tropfenförmige Sonnenbrille (?!), Baggy-Pant mit Schritt in Kniehöhe, Hoodie Größe XXXXXXXXXXL. Gut, gebe ich mir einen Ruck, und setze freundlich zum Gespräch an:

„Ach…, Paintball!“

„Pfrpf“, blubbert es an einer beeindruckenden Kaugummiblase vorbei.

„Mnaja,“ antworte ich nur halb überzeugt.

Stille.

Gelangweilt blicke ich auf die vorbeiziehenden Felder. Irgendwo kauern zwei Krähen mitten auf dem end- wie trost-los leergefegten Feld. Dass denen nicht langweilig wird… So den ganzen Tag auf dem leeren Acker. Oder man stelle sich erst einmal vor, so ein Vogel hat Flugangst. Wäre ja auch saudämlich. Da schreckt mich die Stimme von Johnny, oder Kevin aus der abtriftenden Gedankenleere.

„Pffffflatschschlonzzzz, Digga“.

„Wie meinen?“ frage ich höflich nach.

„Pfgropf Paintpfgrft gotcha!“ stößt Kevin-Johnny gereizt hervor. Kaugummiblase. Kleiner. Zerschillt am schütteren Erst-Oberlippenbärtchen. Der Rest wird samt haltlos züngelnder Zunge wieder in den Mundinnenraum befördert. Toll. Man muss ja positiv denken.

„Jaja, Paintball!“ wirke ich positiv bestätigend ein.

„Pfffpflapfschft, Alda, maescht, pfpropft.“

„Tschahaha“, lache ich bisserl aufgesetzt, verstehe nichts und führe einfach fort, „Wir fuhren eben an dieser Paintball-Anlage vorbei!“

„Pftfradrotzpflatsch, bäääm pflatschzzzz!“

„Ähm ja,“ hangele ich hilflos um Verständnis bar und setze hinterher: „Hab mich ja nur gefragt, ob man es hier möglicherweise bereits unter 18 spielen darf. “

„Njampfflatsch ditsch, Digga, fpfprofffffpf“

„Ach so,“ nicke ich, „Klar.“  Oder auch nicht.

Den Rest der Fahrt verbringen wir schweigend.

Irgendwann dann kommen wir tatsächlich an. Ich zücke das Portemonai und er offenbart unter der Sonnenbrille winzige Stecknadelgroße Pupillen, die in blutigem Augenrosa haltlos rudern. Viele, bunte Smarties. Verstehe die Problematik. Während ich bereits losstöckele, fährt das Taxi rasend an, bremst abrupt, fährt hernach jäh zurück, kommt quietschend zu stehen. Die Fahrerscheibe wird runtergekurbelt. „Wieson unter 18, Alda, pflätschtzerrrpf?“ fragt mich Mike-Kevin-Mandy erstaunlich verständlich.

Da gehört meine kurz aufgeflackerte versöhnliche Phase allerdings bereits der Vergangenheit an. Ich lächele süßlich und antworte: „Ach nur so, ich wollte es halt auch mal spielen.“ Entleerter, peilungsloser Blick von Baggy-Kevin-Schakelin-Jonas-Erich-Egon-Krenz. „…und ich werde doch erst im Januar 18,“ tiriliere ich noch, denke mir „Vollhorst“ und stiefel meines Weges.

 

Paar Tage später…. Ich unterhalte mich mit meiner Freundin der schönen Fleischerin. So ein Plausch auf der Straße. Sie rollt gerade ihre Berner Sennenhunde Gassi. Ich trolle mich durch die Walachei. Tratsch-Zwitschenstop also. Über die Absonderheiten der Bewohner dieses Dorfes. Wir sind schließlich Einwanderinnen. Sie aus dem fernen München. Ich aus Köln. Wessis. Bäh. Ich komme beim Austausch der Verwunderlichkeiten auf den vollgedröhnten Kevin-Jonny-Joshua-fit-the-battle-of-Jericho zu sprechen.

„Tihi“, kichert die schöne Fleischerin und erklärt: „Das war der Ronny. Sohn vom Gülle-Jonny!“

Ja nu, das erklärt ja erst einmal nicht wirklich `was.

Kichert sie weiter, die schöne Fleischerin und giggert: „Der hält dich ja für vollkommen irre!“

„Mich?“ weckt der Ronny-Konny-Jonny-Güllemän-Sohn nun doch mein spätes Interesse.

„Also mir hat er erzählt,“ fährt sie lachend fort, „Ey, kennste die „DingZ?, die hat ja voll den Sockenschuss, die glaubt echt, sie wäre noch nicht 18.“

Tscha. Isso. Hat sich wirklich und ernsthaft so zugetragen. So schaut.s aus. Hier in Brandenburg. Nmja. Pflatsch. Digga.

 

backen-fuer-den-weltfrieden

Alldieweil backe ich. Blöd nur, dass des Gatten Söhnchen die Tage nicht mehr und erst im Neuen Jahr wieder unter uns weilt, der Gatte und ich überhaupt keine Süßen sind und hier im Himmlischen Palast zum Tumben Tümpel kein Kuchen verputzt wird. Besuch kommt ja auch keiner. Hier hin, oder hier an, was im Endresultat auf dasselbe hinausläuft. Egal. Wenn.s mich überkommt, dann überkommt es mich. Dann wird eben gebacken. Ohne Hand und Fuß und ohne Verstand. Verteile ich den Kuchen halt unter den Armen und Beinen, an die Witwen und Waisen, an den Tierarzt, den Schornsteinfeger, die Postfee, den Güllemän, die Burschen von der Müllabfuhr, etc. Abnehmer gibts immer. Und weil es grad einfach stärker ist als ich, werde ich mich gleich noch an Stollen und Lebkuchen probieren. Sollten sich keine Abnehmer finden, bewahre ich das Zeugs einfach auf. Für meinen Geburtstag im Januar. Bitte notieren Sie sich den. Ich werde schließlich 18!

Rubrik: Beiträge, die die Welt nicht braucht

Kategorie: #Backen_für_den_Weltfrieden

Motto: „Wer backt, sündigt nicht.“*

*von Frau Tonari stimmig abgewandelt zu „Wer keksst, sündigt nicht.“

Kapitel: “Make Keks – not war!”